Ökumenisches Zwischenprogramm

Themenabend Ostukraine - Eine Augenzeugin berichtet

19 Uhr Andacht in der KSG-Kapelle, anschließend Themenabend.

Es wird uns eine junge Ukrainerin besuchen, die von ihren Eindrücken und Erfahrungen aus dem Osten der Ukraine berichten wird.

Rückblick

Eine etwas andere als die aus den Medien gewohnte Perspektive auf den Konflikt in der Ukraine konnten wir am letzten Montag des Zwischenprogramms durch den persönlichen Bericht einer Betroffenen erhalten. Wie wahrscheinlich in jedem Krieg sind die Leidtragenden die normalen Menschen, die aus ihrem Alltag heraus gerissen werden und auf einmal Angst um ihre Lebensgrundlagen, ja um ihr Leben selbst haben müssen. Als Außenstehende sind wir gegenüber der Not der Menschen ohnmächtig, denn einfache Lösungen gibt es nicht. Eine Möglichkeit, unsere Solidarität zu zeigen ist für uns Christen sicherlich das Gebet für die Betroffenen. Eine weitere Möglichkeit ist, ihre Sichtweise bekannt zu machen, deshalb hier eine kurze Zusammenfassung des Vortrags.

Am letzten Montag des Zwischenprogramms war bei uns eine Ukrainerin aus der Nähe von Donezk zu Gast, die uns aus erster Hand und aus der Sicht einer Betroffenen Hintergründe und Auswirkungen des gegenwärtigen Konflikts schildern konnte.

Die östlichen Regionen sind der wirtschaftlich und industriell stärkere Teil der Ukraine und schon allein aus wirtschaftlichen Gründen auf gute Beziehungen zu Russland angewiesen. Dass viele Menschen dort auch Russisch sprechen ist historisch bedingt, dennoch haben sich die Ukrainer immer als eine Nation verstanden. Seit der Orangenen Revolution 2004 nun zeichnet sich eine Spaltung des Landes ab, die sich im Wahlverhalten und in der Orientierung eher zur EU bzw. nach Russland widerspiegelt. Richtig deutlich geworden sind die Unterschiede bei der Unterstützung der Maidan-Proteste vor gut einem Jahr, als einige Tausend, zum Teil gewalttätige Demonstranten, einen Regierungswechsel herbei führten. Aus der Sicht unseres ostukrainischen Gastes war dabei völlig undurchsichtig, welche Kräfte und Parteien daran maßgeblich beteiligt waren, insbesondere vor einer ultra-nationalistischen Partei herrscht in den östlichen Landesteilen große Angst. Sie sagt, sie weiß gar nicht, wo auf einmal dieser Hass herkommt.

Bei den gegenwärtigen Kämpfen nun steht die Bevölkerung der umkämpften Gebiete zwischen allen Fronten. Die Separatisten sind längst nicht so eine homogene Gruppe, wie es uns aus den Medien bekannt zu sein scheint. Und auch auf der anderen Seite kämpfen nicht nur die ukrainische Armee, sondern die verschiedensten militanten Gruppen.

Dazu kommt die Verwirrung, die aus bewusster Desinformation als Teil der Kriegsstrategie resultiert. Wenn man zur gleichen Zeit verschiedene Fernsehsender verfolgt, erhält man zum Teil widersprüchliche Informationen, wer denn nun für die Schüsse und Raketenangriffe im eigenen Wohngebiet verantwortlich ist. Man kann sich kaum vorstellen, wie nachhaltig die Infrastruktur dort zerstört wird. Überall werden Straßensperren von paramilitärischen Einheiten kontrolliert. Der Flughafen von Donezk, der erst zur Fußball-EM 2012 eröffnet wurde, ist inzwischen zerstört.

Die Bevölkerung hat einfach nur Angst. Jeder Lebensmitteleinkauf kann lebensgefährlich werden, was zusätzlich zu den Preissteigerungen die Ernährungslage verschärft. Viele Menschen stehen vor der Entscheidung alles zurückzulassen und mit dem, was sie tragen können, zu fliehen. Doch wohin sollen sie gehen? Da der Konflikt in der Ukraine offiziell nicht als Krieg bezeichnet wird, sind die Möglichkeiten, Visa für EU-Staaten zu kriegen, sehr begrenzt. Nach Russland dagegen kann man ohne Visum reisen und sich darauf verlassen, humanitäre Hilfe zu erhalten. Insofern ist die Unterstützung hier bei uns lebender Ukrainer auch etwas, das wir für die Betroffenen tun können.

Heiner Krause

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